Rainer Maria Rilke: Lektüre für Minuten

Insel Verlag Frankfurt 1988

Arbeit ist der Ausdruck, das Leben einer Hand. Deshalb mag ich eine gelibte Hand gern in Bewegung sehen; auch sind mir redende Hände lieber als redende Menschen.

Aus unendlichen Sehnsüchten steigen

Endliche Taten wie schwache Fontänen,

die sich zeitig und zitternd neigen.

Aber, die sich uns sonst verschweigen,

unsere fröhlichen Kräfte - zeigen

sich in diesen tanzenden Tränen.

Ich glaube nicht, daß das zerstörte Alte schon etwas Neues ist.

Es kann sein, daß es ganz überflüssig ist, umzureißen, weil das Neue vielleicht auf diesem ausgenützten, von Trümmern belasteten Boden überhaupt nicht aufgeht, - sondern irgendwo auf neuer, jugendlicher Erde.