Die Scheidung

Für die Scheidung suchte ich mir einen Anwalt in der Nähe; das ist ja kein grosses Ding, eine solche Scheidung. Dachte ich mir. Doch es kam anders als gedacht: die Scheidung zog sich über sieben Jahre hin.
Zuerst war es mir ja egal, was die Papiere sagten; ich lebte frei, und so fühlte ich mich auch wohl. Doch mit der Zeit wurde es mir zum Bedürfnis, auch in diesem Bereich die Tatsachen wiederherzustellen.
Doch die erste Verhandlung bereits zeigte mir, wie die kommenden Verhandlungen und Jahre werden würden: ich wurde gezwungen, Mediacity aufzugeben, und eine "ordentliche" Arbeit anzunehmen. Und ich wurde gezwungen, meine Einkommensverhältnisse offenzulegen. Mir wurde gedroht, ins Gefängnis zu kommen, wenn ich nicht bald bezahlen würde. Bezahlen hiess, monatlich rund 500 Euro mindestens zu überwiesen. Solange ich das nicht täte, würde ich verfolgt und kontrolliert.
Ich bekam es mit der Angst zu tun, beendete Mediacity, weil mit den monatlichen 400 Euro, die ich dann zahlte, war diese Konstruktion nicht mehr zu halten. Es war das Projekt, welches meiner Vision entsprungen war, und das ich gern weiter aufgebaut hätte. Doch nun hatte ich Angst. Und in den kommenden Jahren merkte ich, dass man mir Angst machte, und wenn man jemanden zwingt durch Angst, erreicht man das Gegenteil: ich verlor den Sinn des Lebens, konnte nicht mehr das arbeiten, was mich vorangebracht hätte, und verdiente dadurch immer weniger Geld. Es ist so, als ob man einem Handwerker seine Werkzeuge wegnimmt, und ihn dann zwingt, noch mehr Geld zu verdienen.
Ich kann mich noch genau an das Auftreten des Gegenanwalts erinnern: mit wehender grosser scharzer Robe, jung, dynamisch, kam er, um seine Mandantin zu vertreten. Mich grüsste er nicht einmal. Alle meine Versuche, den Konflikt gemeinsam zu lösen, scheiterten, denn dann hätten die Anwälte nichts an unserem Fall verdient. Das deutsche Gerichtswesen ist nicht bestrebt, Konflikte zu lösen, sondern schafft erst Gegner, die sich, durch Anwälte verstärkt, bekriegen. Und so kommen beide Parteien schlechter weg. Anita hatte kein Geld von mir, ich konnte meine Arbeit nicht arbeiten, und musste mich aus Angt mit irgendwelchen Jobs rumschlagen, und verlor die Lust am Leben, hatte keine Freunde, keine Freundin, und war isoliert vom Leben.

Hier gehts weiter:

Die psychische Krise